Ein Gespräch am Rande der Buchmesse –
über Kinder, Erschöpfung und das leise Zuviel
Die Buchmesse war voll. Voller Menschen, voller Stimmen, voller Eindrücke. 313.000 Besucherinnen und Besucher in vier Tagen — das ist nicht nur beeindruckend, das ist auch viel. Viel Bewegung. Viel Unruhe. Viel Gewusel. Und vielleicht gerade deshalb war einer der wertvollsten Momente für mich nicht das Große, sondern das Stille: ein echtes Gespräch am Rande all dessen.
Zuerst sprachen wir über mein Buch, über seine Entstehung. Und dann wurde es still. Ein tiefer Atemzug. Und plötzlich ging es um viel mehr. Um Kinder, um Erschöpfung und um dieses leise Zuviel, das viele nicht laut benennen — aber längst spüren.
Wenn zu viel da ist, ohne dass etwas zusammenbricht
Es gibt Zeiten, da bricht nicht alles zusammen. Und trotzdem ist längst etwas zu viel. Nicht sichtbar genug für einen Namen. Nicht laut genug für Alarm. Aber spürbar. Im Körper. Im Alltag. Im Miteinander.
Viele Menschen erleben genau das. Keinen großen Zusammenbruch. Sondern ein leises Zuviel. Sie funktionieren. Sie organisieren. Sie tragen Verantwortung. Sie halten durch. Und oft sieht es von außen noch immer so aus, als wäre alles in Ordnung. Aber das ist es nicht immer.
Denn Erschöpfung kommt nicht nur dann, wenn gar nichts mehr geht. Manchmal beginnt sie viel früher. In kürzeren Antworten. In weniger Geduld. In unruhigen Nächten. In dem Gefühl, dass selbst kleine Dinge plötzlich zu viel sind.
Kinder spüren mehr, als wir denken
Und Kinder leben mitten darin. Sie verstehen vielleicht nicht alles. Aber sie spüren viel. Sie merken, wenn sich etwas verändert. Wenn ein Elternteil innerlich weiter weg ist. Wenn Sorgen im Raum stehen. Wenn etwas schwer geworden ist, auch ohne große Worte.
Vielleicht ist genau das so wichtig: dass wir nicht erst hinschauen, wenn gar nichts mehr geht. Sondern schon dann, wenn das Leise beginnt.
Worte finden, bevor es zu schwer wird
Als ich mein Buch geschrieben habe, ging es mir genau darum. Um das, was Kinder mittragen, ohne es einordnen zu können. Um das, was Erwachsene oft fühlen, aber kaum aussprechen. Und um die Frage, wie man darüber sprechen kann, ohne alles noch schwerer zu machen.
Ich wollte kein Buch schreiben, das Angst macht. Sondern eines, das begleitet. Eines, das Worte findet, wo sonst Sprachlosigkeit entsteht. Eines, das Kindern zeigt:
Du bist nicht schuld.
Du bist nicht falsch.
Und du bist damit nicht allein.
Das leise Zuviel betrifft nicht nur Kinder
Vielleicht gilt das nicht nur für Kinder. Vielleicht leben auch viele Erwachsene gerade mit diesem leisen Zuviel. Ohne zusammenzubrechen. Aber auch nicht mehr wirklich leicht. Nach außen da. Innen müde.
Dieses Gespräch am Rande der Buchmesse hat mich deshalb mehr berührt, als ich zuerst dachte. Weil es nicht nur um mein Buch ging. Sondern um etwas, das gerade viele betrifft. Und weil mitten im Lärm plötzlich Raum war für etwas Echtes.
Vielleicht ist genau das kostbar geworden in dieser Zeit: dass wir einander nicht nur fragen, was wir tun. Sondern auch, wie es uns wirklich geht. Dass wir das Leise nicht übersehen. Und dass wir Kindern Worte geben, bevor sie anfangen, alles mit sich selbst auszumachen.
Ein Buch als Begleiter
Nicht immer ist es der große Zusammenbruch. Oft ist es das leise Zuviel. Und vielleicht beginnt Entlastung manchmal genau dort, wo es endlich ausgesprochen werden darf und nicht länger allein getragen werden muss.
Mein Buch "Auch Superhelden brauchen eine Pause" ist aus genau diesem Gedanken entstanden: Worte zu finden für das, was Kinder und Erwachsene oft längst spüren, aber kaum greifen können.
Vielleicht darf es ein Begleiter für dich sein. Oder ein Geschenk für jemanden, dem du sagen möchtest: Du bist damit nicht allein.
Dann freue ich mich, wenn es seinen Weg zu dir findet.
Und vielleicht ist auch mein Tiny genau so ein Ort: ein stiller Platz zum Ankommen, Durchatmen und wieder bei sich selbst anzukommen.
Von Herzen
Tina Arends-Weimann